Dich loslassen?

Kann man die geliebte verstorbene Person einfach loslassen?
Das hört sich an, als wenn man einfach den „Stecker der Verbindung“ ziehen könnte. Nach dem Trauerforscher William Worden geht es aber eher darum, eine innere Art der Verbindung mit der verstorbenen Person zu entwickeln und dem Verstorbenen damit einen „neuen Platz“ zu geben. Diese heilsame innere Verbindung aufzuspüren stand diesmal im Zentrum des Abends.
Was bleibt vom Verstorbenen in euch lebendig? / Welche Samen hat der Verstorbene in euch gelegt?
Diesen Leitfragen folgend haben die Teilnehmer Blanko-Samentütchen beschriftet oder mit Symbolen versehen. Die Samen, die anschließend eingefüllt wurden, dürfen gerne ganz bewusst wo auch immer ausgestreut werden, um dann aufzugehen und wunderschöne Blüten zu tragen … Sehr intensiv haben wir uns über all die Samen ausgetauscht, die die Teilnehmer von der geliebten verstorbenen Person in sich tragen, und so durften wir auch viel über die Wesensarten der Verstorbenen erfahren.
Danke euch allen für diesen besonderen Abend!
Susanne Mittag, Trauerbegleiterin
Meine Masken

Unser TrauERwerk widmete sich - passend zur Faschingszeit - dem Thema „Meine Masken“.
Ausgehend von kreativer Gestaltung des Äußeren einer Maske („Wie gebe ich mich?“) und des Inneren einer Maske („Wie sieht es in mir aus?“) kamen wir zu der Erkenntnis, dass wir uns oft anders geben, als es in uns aussieht. Weitergehend widmeten wir uns den Fragen: „Wann erscheint es mir wichtig und sinnvoll, eine Maske aufzusetzen?“ „Wo / bei wem kann ich meine Maske abnehmen bzw. habe ich den Mut, dann und wann meine Maske abzunehmen?“ In begleiteten Kleingruppen erarbeiteten wir, dass das Tragen von Masken in bestimmten Situationen angemessen und sinnvoll ist. Aber dauerhaft seine Gefühle und inneren Empfindungen zu verbergen, ist nicht förderlich, da man sich von der Außenwelt abkapselt, sich in der Trauer unverstanden und einsam fühlt. In der Schlussrunde zeigten sich die Teilnehmer von den Gesprächen gestärkt und mutig, sich den eigenen Gefühlen und Empfindungen mehr zu widmen und, wenn es sich stimmig anfühlt, die Maske auch einmal abzusetzen.
Eindrucksvoll habt ihr alle an diesem Abend gezeigt, wie es ist, einander ohne Maske zu begegnen. Die Nähe und die Verbundenheit, die damit einhergeht, war deutlich zu spüren. Danke euch allen!
Susanne Mittag, Trauerbegleiterin
Die gestalteten Masken wurde uns freundlicherweise von einer Teilnehmerin zur Verfügung gestellt.
Vielen herzlichen Dank dafür!
Trauerspaziergang

Unser Trauerspaziergang im August führte uns durch die Mönau. Dazu haben wir an vier Stationen Halt gemacht und anhand von Natursymbolen Fragen vorbereitet, die sich mit den Aufgaben für Trauernde nach dem Trauerforscher William Worden befassen. Auf dem Weg zur jeweils nächsten Station hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich darüber auszutauschen. So haben wir z.B. als erste Station umgestürzte Bäume gewählt, die den Tod eines Zugehörigen symbolisieren und sich mit dem Begreifen der Todeswirklichkeit auseinandersetzen. In unserer gemeinsamen Abschlussrunde hoben die Teilnehmer hervor, wie bereichernd es für sie war, gemeinsam „auf dem Weg“ durch die Trauer zu sein und viel Zeit für intensiven Austausch zur Verfügung zu haben.
Kerstin Danner und Susanne Mittag, Trauerbegleiterinnen
Erinnerungen und Perspektiven

Bei unserem ersten TrauERwerk im Neuen Jahr tauschten sich die Teilnehmer über die erlebten Weihnachtsfeiertage aus. Die meisten der Teilnehmer verbrachten die Weihnachtstage zum ersten Mal ohne die geliebte verstorbene Person, was als große Herausforderung und Belastung empfunden wurde. Gerade Feste und Feiern lassen den Hinterbliebenen das Fehlen der verstorbenen Person deutlich werden, und das erste Mal ist es erfahrungsgemäß am schwersten. Wie gut, dass man sich mit anderen Betroffenen darüber austauschen kann, jeder versteht den anderen aus eigenem Erleben.
An unser Thema „Erinnerungen und Perspektiven“ näherten wir uns an, indem wir die Teilnehmer Erinnerungen an die verstorbene Person (als Bilder oder Schlagworte) auf schwarze Kratzfolie einritzen und so zum Leuchten bringen ließen. In einem gemeinsamen Gespräch wurden kostbare Erinnerungen geteilt. Ein Teilnehmer äußerte die Angst, zu vergessen. Die Idee, aufblitzende Erinnerungen auf kleine Zettel zu schreiben und in einer Schachtel aufzubewahren, wurde interessiert aufgenommen.
Aber wir wollten nicht nur in der Vergangenheit stehen bleiben. Wir beschäftigten uns auch mit der Frage, ob wohl der Schmerz, der manche Erinnerung mit sich bringt, mit der Zeit nachlassen würde und wie sich das wohl anfühlen würde.
In einem Gespräch, wie es uns nach dem Abend geht und was wir mitnehmen, endete das Treffen. Der vertrauensvolle Austausch unter den Teilnehmern, die sich teilweise noch nicht kannten, war berührend!
Das Bild wurde uns freundlicherweise von einer Teilnehmerin zur Verfügung gestellt. Vielen herzlichen Dank dafür!
Susanne Mittag, Trauerbegleiterin